, Pirrung Reiner

Verwelkter schnulzensingender Poet im Café Noir

Klassisches Café Noir mit Auswärtsspiel

Sauer macht lustig, Sulke singt, Klasse Klavier, Wohlfeile Worte, Herzhafte Heartbeats, Feuriger Flamenco, Magische Musikmomente und Muntere Moderation. Das ist zusammengefasst die Essenz aus gut drei Stunden Kleinkunstshow des Ormesheimer Kultur- und Theatervereins (KTV), diesmal in der St.Ingberter Stadthalle. Dabei stand das Café Noir vor wenigen Wochen noch vor dem Aus. Die heimische Spielstätte, der Festsaal Niederländer, war als Versammlungsstätte wenige Tage nach Fasching gesperrt worden. „Asyl“ fand man bei der Mittelstadt, das Kulturamt machte die Kooperation kurzfristig möglich. Ein Ausfall zum 40-jährigen Jubiläum hätte heftig geschmerzt. Gottseidank konnte man, wie eigentlich in Ormesheim immer, schon Tage vorher ausverkauft vermelden.

So kam die beliebte Kleinkunstreihe als Hommage an ihre Ursprünge im klassischen Gewand daher: Liedermacher, Autorenlesung, Tanz, Songwriter, Kabarett, Klassik und Instrumentales. „Le Patron du Café Noir“, Reiner Pirrung, führte - wie in allen 40 Jahren zuvor - launig durch das üppige Programm. Hatte man bezüglich des „Auswärtsspiels“ noch von einem Glücksfall für den Verein gesprochen, traf das auf die Anfangsformation Heartbeat weniger zu. Ralf Basting musste krankheitsbedingt passen und so schrumpfte das Trio zum Duo. Astrid und Jens Gebhardt legten mit Stimme und halt nur einer Gitarre dennoch einen guten Auftritt hin. Ob das Six Pence Non The Richer-Cover („Kiss me“), Stumbelin‘ In oder das der Everly Brothers (All I Have To Do Is A Dream“), alle wurden bestens interpretiert. Mit virtuosem Klavierspiel „garnierten“ Charlotte und Cyril Vinzent die Lesung ihres Papas Markus. Der aus Ormesheim stammende Autor mit vielen beruflichen Stationen im In- und Ausland las in der alten Heimat aus seinen beiden neuen Buchbänden „Nicht alle Tage“. Anschaulich werden darin verschiedene Lebensabschnitte der beiden Protagonistenpaare bis zum frühen Tod durch eine Krebserkrankung der Romanfigur Feeny geschildert. Wer den Autor und seine Familie kennt, konnte insgesamt sehr viel Autobiografisches dabei erkennen. Gesprochenes Wort auch danach. Der bundesweit tätige Kabarettist Frank Sauer widmete sich in weiten Teilen seines humoristischen Beitrags dem Altern. So schilderte er seine Begegnung mit Gaby Berberich, einer wie sich herausstellte gleichaltrigen Schulkameradin, der er nun zur Behandlung im Arztzimmer gegenübersitzt. Nach dem man sich über dasselbe Gymnasium ausgetauscht hatte, endete die Konversation abrupt mit dem Satz: „Herr Sauer, und welches Fach haben Sie damals unterrichtet?“ Eine Pointe reihte sich an die nächste; häufige Zwischenlacher und ausgiebiger Applaus waren vorprogrammiert. Mit spanischen Gitarrenrhythmen von Mario L’Ange und zweimal heißblütigem Flamenco ging es in die Pause. Daniela Lodani entführte in farbenfrohen Kleidern in die faszinierende Welt des typisch andalusischen Tanzes.

Sulke macht kein Quatsch und Sauer macht lustig

Als der Vorhang wieder aufging, traten zwei außergewöhnliche Musiker mit ebensolchen Instrumenten auf die Bühne. Stick & Reeds nennen sich Christian Konrad, der als bislang einziger Saarländer einen Chapman Stick spielt, und Cornell Wegmann mit seiner Bassklarinette. Konrad entlockte dem 10-saitigen Stick feinfühlige Wohlklänge zum Beispiel bei Claptons Ballade „Tears In Heaven“ oder von Miles Davis „So What“. Dazu gesellten sich die herrlich dunklen Töne von Wegmanns Bassklarinette. Es waren insgesamt hervorragend interpretierte Instrumentalversionen der bekannten Musikstücke auf hohem Niveau. Und so niveauvoll endete auch der Abend nach gut 200 Minuten mit dem internationalen Songpoeten Stephan Sulke. Der inzwischen 82-jährige Schweizer hatte seine bekanntesten Lieder im Gepäck. Er ist der Meister schöner Harmonien und zeitlos poetischer Texte. Er selbst bezeichnet sich als „etwas verwelkter schnulzensingender Poet“. Sowohl seine Songs über die Frauen „Ulla“ oder „Uschi (mach kein Quatsch)“ als auch das melancholische „Ich bin ein altes Zimmer“ trafen den Geschmack der Fangemeinde. Darunter viele Edel-Fans. Am Flügel, an der Gitarre, am Keyboard – der Multiinstrumentalist zeigte viele Facetten seines musikalischen Könnens. Auch Liebeslieder wie „Bist wunderbar“ oder „Ich lieb dich so“ gehörten zum Repertoire. Mit dem ironischen „Komisch“, dem augenzwinkernden „In der Schule lernt man eh bloß Quark“ und „Der Mann aus Russland“ beschloss Sulke den klassischen Kleinkunstabend im Café Noir 2026. Am Ende dankte Pirrung ganz besonders seinem Café Noir-Team - es waren gut 50 Leute im Einsatz – für diesen organisatorischen Umzugskraftakt. Der künstlerische Ausflug nach St.Ingbert hat sich zwar gelohnt, dennoch würde der KTV sein Kaffeehausmobiliar im kommenden Jahr lieber an der alten Wirkungsstätte in Ormesheim aufstellen.

Wurzeln des Café Noir. Der künstlerische Ausflug nach St.Ingbert hat sich zwar gelohnt, dennoch würde der KTV sein Kaffeehausmobiliar im kommenden Jahr lieber an der alten Wirkungsstätte in Ormesheim aufstellen.